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Instandhaltungsschleifen, Akustisches Schleifen, Schienenreprofilierung? Gibt es technische Regelwerke für diese Maßnahmen?

 

Die DB hat auf Bahnstrecken Instandhaltungsarbeiten an den Gleisen durchgeführt. Schienen wurden "geschliffen" (es war eine Maßnahme zur Schienenreprofilierung) mit dem Erfolg, dass die Betroffenen nach Abschluss der Maßnahme den Eindruck hatten, nun sei der Schienenlärm wesentlich lauter. Mit Nachdruck fordern die Betroffenen deshalb Auskunft, welche Unternehmen mit der Maßnahme beauftragt wurden und welches technische Regelwerk diesen Arbeiten zugrunde liegt. Bisher gibt es keine Antwort.
Hier folgen verschiedene Stellungmahmen.
21.07.15

Instandhaltungsschleifen? Akustisches Schleifen? eine gesetzliche Grundlage fehlt!

Eisenbahnbundesamt, EBA
06, 2015

  • "Da mit dem Instandhaltungsschleifen normativ kein bestimmter Lärmpegel als konkreter Zahlenwert verknüpft ist, kann das EBA einen solchen nach durchgeführtem Instandhaltungsschleifen auch nicht vom Infrastrukturbetreiber einfordern."

Umweltbundesamt
25.06.2015

  • "Insofern existiert derzeit noch keine gesetzliche Grundlage, welche Lärmpegel nach dem Instandhaltungsschleifen eingehalten werden müssen. Wir empfehlen, dies zu ändern und ambitionierte Grenzwerte für das Instandhaltungsschleifen festzulegen."

 

Schienenreprofilierung und ihre Nebenwirkungen - Konsequenzen

wurde hier ein rotierendes Schleifverfahren eingesetzt?

Bürgerinitiative Bürgerprotest Bahn e.V.

Während des letzten Bahnstreiks wurde verstärkt die Gelegenheit genutzt, auf unausgelasteten Bahnstrecken Instandhaltungsarbeiten an den Gleisen durchzuführen. Laut einemAntwortschreiben des Eisenbahn-Bundesamtes EBA vom 3.6.2015 handelte es sich um „Instandhaltungsschleifen“,was aber nicht wörtlich genommen werden kann:„Instandhaltungsschleifen dient der Funktionsfähigkeit des Oberbaus für das jeweilige Anforderungsprofilder Strecke und somit einer sicheren Betriebsführung. Für das Instandhaltungsschleifenkönnen verschiedene Bearbeitungsverfahren (Fräsen, Hobeln, Schleifen,teilweise auch in Kombination) eingesetzt werden. Deren Einsatz orientiert sich an den jeweiligenQualitäts- und Leistungsanforderungen…“ Die damit verbundene „geringe Lärmentwicklung“könne bis 3 Monate anhalten.

Fotos

Kommentar zu Schleifverfahren

wurde hier ein rotierendes Schleifverfahren eingesetzt?

Export von Bahnbaumaschinen Gesellschaft m.b.H.
Jürgen Kübler
26.06.15

Unsere Firma produziert ausschließlich Schienenschleifmaschinen mit oszillierendem Schleifverfahren. Das bedeutet, dass die Schleifsteine als Rutschersteine eingesetzt werden und an der Schienenoberfläche ausschließlich Längsbewegungen durchgeführt werden. Durch diese Arbeitstechnologie wird eine äußerst hohe Oberflächenqualität erreicht; mit diesem Verfahren wird die beste Schallreduktion erzielt.

Die DB verwendet dieses Verfahren daher vorrangig zum "Schallschleifen". Die Maschinen sind unter der Typenbezeichnung GWM 110, GWM 440 oder GWM 550 bekannt und werden in Deutschland z.B. von der Fa. Schweerbau eingesetzt. Die beiden übermittelten Fotos zeigen mit höchster Wahrscheinlichkeit ein Schleifbild, das mit rotierendem Schleifverfahren hergestellt wurde. Dies sind Maschinen, die eine größere Anzahl von rotierenden Topfscheiben verwenden und nicht von Plasser & Theurer produziert werden. Im Anschluss an dieses Schleifverfahren, das auch zur Reprofilierung eingesetzt wird, kommen zur Qualitätsverbesserung im Nachgang meist Maschinen mit oszillierendem Schleifverfahren zum Einsatz.

Ines Jahnel
08.07.15

Die akustische Überwachung des Fahrflächenzustandes der Schienen im Netz erfolgt seit den 1990er Jahren mit einem eigens dafür konzipierten Schallmesszug. Der Schallmesszug befährt jährlich über 20.000 km Gleis und zeichnet den akustischen Zustand des Schienennetzes auf. Summenhäufigkeitsauswertungen dieser jährlichen Messkampagnen zeigen, dass sich der akustische Schienenzustand seit 2011 signifikant verbessert hat. Ursache ist die seit 2010 deutlich intensivierte präventive Schienenpflege, welche zur Vorbeugung von Schienenfehlern und Verlängerung der Nutzungsdauer von Schienen systematisch durchgeführt wird. Weitergehende Informationen können dem Vortrag der Herren Dr. Rothhämel und Koch auf der Veranstaltung "Bahnakustik", 10.-11. Nov. 2014 in München entnommen werden.

Ergänzend zu der Befahrung des Netzes mit dem Schallmesszug betreibt die DB Netz AG stationäre Dauermessstationen am Gleis. Die Messdaten sind seit 2014 online im Lärmschutzportal der Deutschen Bahn verfügbar und für jeden interessierten Bürger einsehbar.

Die Aussage aus der Badischen Zeitung, wonach sich der Vorbeifahrpegel um 10 dB(A) nach Schienenbearbeitung erhöht, lässt sich ohne qualifizierte Darstellung, wie der Schallpegel gemessen wurde, nicht bewerten.

Die maschinelle Schienenbearbeitung in Gleisen und Weichen ist einer der Grundpfeiler unserer präventiven Instandhaltungsstrategie. Dabei werden die Schienen zur Vorbeugung von Schienenfehlern (Riffel, Schlupfwellen, Oberflächenermüdung im Rollkontakt Fahrzeug - Fahrweg) wie auch zur Aufrechterhaltung einer gleichbleibenden Geometrie der Schienenfahrfläche im Längs- und Querprofil regelmäßig mit abrasiven oder spanabhebenden Verfahren bearbeitet.

Das am weitesten verbreitete Verfahren der präventiven Schienenbearbeitung ist das so genannte Two-Pass-Grinding (TPG). Im TPG werden gleisgebundene Großmaschinen eingesetzt, bei denen bis zu 60 rotierende Schleifsteine zum Einsatz kommen. Bei einer Geschwindigkeit von etwa 8 km/h werden in zwei Überfahrten 0,3 mm Materialabtrag erzeugt. Durch die Rotation der Schleifsteine ergeben sich auf der Schienenoberfläche Schleifriefen, welche quer zur Fahrtrichtung verlaufen.

Wenngleich die Schienen durch das Schleifen geglättet werden und lärmverursachende Unebenheiten (Riffel) beseitigt werden, führen die Schleifriefen vorübergehend zu einem veränderten Rollgeräusch, welches von Anwohnern als hochfrequentes "Pfeifen" wahrgenommen wird. Das Geräusch ist besonders auffällig, wenn das Rollgeräusch der Fahrzeuge gering ist und die Schallabstrahlung der Schiene gegenüber dem Fahrzeug in den Vordergrund tritt (etwa bei leichten Personenverkehrstriebwagen / S-Bahnen).

Mit zunehmender Belastung durch den Regelbetrieb werden die Riefen wieder geglättet, so dass das Pfeifgeräusch verschwindet. Nun tritt der positive Effekt der Schienenpflege in der Vordergrund: Die Glättung der Fahrfläche. Messungen haben gezeigt, dass der Ausgangszustand der Schallabstrahlung nach 600.000 Tonnen (entspricht im Kernnetz etwa 10 bis 30 Tagen Zugbetrieb) erreicht wird. Anschließend ergibt sich sogar eine Verbesserung gegenüber dem Ausgangszustand.

Die DB Netz AG ist bemüht, die vorübergehende Erhöhung der Schallabstrahlung als Folge der präventiven Schienenpflege zu minimieren und arbeitet gemeinsam mit ihren Vertragspartnern an der Weiterentwicklung der Arbeitsverfahren.

Die Auswirkungen der maschinellen Schienenbearbeitung auf den Schienenwerkstoff wurden von der DB Netz AG intensiv untersucht. Danach zeigen sich keine negativen Auswirkungen auf die Mikrostruktur der Schiene, die eine Lebensdauerverringerung oder die Notwendigkeit einer intensivierten Schieneninstandhaltung erwarten lassen.

 

 

 

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